15. November 2019

Es gab einmal die „Macht am Rhein”, die Bonner Republik. In Berlin ist aber nicht alles anders. Seilschaften, geheime Absprachen, mehr oder weniger geheime Affären, das gab es auch damals. War das damals alles irgendwie gemütlicher, nicht so grell, das Skandalöse weniger erheblich?

Maren Friedlaenders Blick auf die Politik in der Bundeshauptstadt Berlin fördert diesen Eindruck. Er liest sich wie eine Reportage über das Innenleben des Regierungsapparates, der Ertrag einer aufwändigen investigativen Recherche.

Ein Wunder ist das nicht, denn die Autorin startete ihre Karriere als Journalistin, zuerst für die Bild-Zeitung, danach war sie etliche Jahre für das ZDF tätig. Politik ist ihr aber auch aus eigenem Erleben vertraut, eine biografische Notiz erzählt, dass sie für einige Jahre Mitglied des Kulturausschusses war – das Wo allerdings bleibt dieser Hinweis schuldig.

Maren Friedländer in Aktion

„Berlin.Macht.Männer” - Frau Friedländer war dabei, als Bundeskanzler Uwe Hennig einer Affäre wegen seine Karriere und dadurch auch die politische und berufliche Zukunft seiner Weggefährten aufs Spiel setzt. Sie hat beobachtet wie seiner besten Freunde, der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, versucht, den absehbaren Schaden von Amt und Freund abzuwenden.

Immer wieder legt Frau Friedländer das Buch aus der Hand, und ergänzt das Vorgelesene um Schilderungen eigener Erlebnisse und Einschätzungen zum Leben, Tun und Lassen der Personen in Politik, Regierungsapparat und Lobbyismus. Und verstärkt dadurch den Eindruck: das im Roman Geschilderte ist gar nicht alles erfunden, sondern nur kaschiert, um niemandem zu nahe zu treten. Sie hat, so empfindet man, daneben gestanden, sie wurde ins Vertrauen gezogen.

Kein Wunder also, dass die Autorin zum Schluss noch etliche Fragen zu beantworten hatte. Eine, umgekehrt, richtete sie an den Veranstalter, an den Westwind e.V., eine Frage, die eine Veranstaltungspanne betraf:

Das erste Mal überhaupt in den mittlerweile nicht wenigen Jahren, in denen Lesungen zum regelmäßigen Programm des NRW-Hauptstadtnetzwerkes zählen, fehlte der obligatorische Büchertisch. Schmerzlich für die Gäste, die ihr Buch gerne erworben hätten, traurig für Frau Friedländer, die zu Recht auf einen guten Absatz des Buches gehofft hatte.

Deshalb erklärte der Moderator des Abends, Ditmar Gatzmaga, mit Einverständnis des Westwind-Vorsitzenden Leo Dautzenberg, dass es im Jahr 2020 eine erneute Einladung an Frau Friedländer geben wird, zur Präsentation ihres Romans „Rheingolf”. Dann selbstverständlich mit Büchertisch. Auf dem auch „Berlin.Macht.Männer” ausliegen wird.

links: Leo Dautzenberg, Westwind-Vorsitzender, Ditmar Gatzmaga

Gut besucht waren die Westwind-Lesungen im Rahmen des Krimimarathons immer. Die aktuelle war überbucht, denn sie war schon nahezu „ausverkauft”, bevor der Westwind sie per Rund-E-Mail beworben hatte, also sechs Wochen vor dem Termin. Dennoch waren schließlich einige Stühle nicht besetzt. Für das Jahr 2020 wird deshalb erwogen, die Anmeldung nur bei gleichzeitiger Überweisung des Eintrittspreises entgegen zu nehmen (15 € für den reservierten Platz sowie für den Imbiss zu Beginn des Abends und für die Getränke, 10 € für Westwind-Mitglieder).

Zum Ausklang des Abends gab es noch Gelegenheit für einen guten Schluck vor dem Heimweg – und viel Lob für die Autorin, aber auch für den Veranstalter, den NRW-Hauptstadtverein Westwind e.V. Denn die Gäste fühlten sich bestens unterhalten und verpflegt.

In einer Rezendion von „Berlin.Macht.Männer” (von JK) war zu lesen „Toller Krimi, nicht nur für Politikinteressierte.” Wir wetten gerne: das wird auch beim „Rheingolf”-Krimiabend im nächsten Jahr nicht anders sein.

Hans Henner Becker

Deutscher Bundestag, wiss. Dienst; Autor von Tango-Theaterstücken, Chef der „Tangonale“

WESTWIND ist für mich ein Brückenschlag zwischen der alten Heimat Düsseldorf und der neuen Heimat Berlin.