19. Februar 2015

In 60 Minuten durch vier Epochenbereiche der Deutschen Geschichte – ein Pensum, das nur im Laufschritt erledigt werden konnte und zu der Erkenntnis führte, dass Wiederholungsbesuche zur Vertiefung des Gehörten und Gesehenen unumgänglich sein werden.

Die Führung begann im Innenhof des Museums mit interessanten Ausführungen zum Gebäude

Im Innenhof des Museums

und konzentrierte sich anschließend auf die Ausstellung im Erdgeschoss des Museums, die den Epochenbereichen der Weimarer Republik, des NS-Regimes, der Nachkriegszeit und der Geschichte beider deutscher Staaten von 1949 bis zur Einheit 1990 und zum Abzug der Alliierten im Jahre 1994 gewidmet ist.

Weimarer Republik 1918 – 1933

Aus den revolutionären Erschütterungen nach dem Ersten Weltkrieg ging das Deutsche Reich 1918 als parlamentarische Demokratie hervor.

Die Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich, Inflation und schwere wirtschaftliche Krisen bedrohten den Zusammenhalt der jungen Weimarer Republik. Linke wie rechte Extremisten bekämpften die demokratische Ordnung. Während einer kurzen Phase relativer Stabilität erholte sich die Wirtschaft, und Kunst und Kultur erlebten eine Blütezeit.

Den häufig wechselnden Reichsregierungen gelang es jedoch nicht, wirksame Maßnahmen gegen soziale Not und Arbeitslosigkeit zu finden. In der Weltwirtschaftskrise verschärfte sich die Lage. Die politische Radikalisierung der Bevölkerung ermöglichte den Aufstieg der NSDAP zur stärksten Fraktion im Reichstag und zur Massenpartei.

NS-Regime und Zweiter Weltkrieg 1933 – 1945

Nach Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 errichteten die Nationalsozialisten in kurzer Zeit eine Diktatur. Deutschland wurde durch eine radikale Umgestaltung von Staat und Gesellschaft auf Krieg vorbereitet. Politische Gegner verfolgte der NS-Staat mit Brutalität. Juden und andere Menschen, die den rassistischen Wahnideen der Nationalsozialisten nicht entsprachen, wurden aus der Gesellschaft ausgegrenzt.

Mit dem deutschen Überfall auf Polen 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Bis 1941 besetzte die Wehrmacht Dänemark, Norwegen, die Beneluxstaaten, Frankreich, Griechenland, Jugoslawien und Teile Nordafrikas. Beim Angriff auf die Sowjetunion 1941 folgten Einsatzgruppen der vorrückenden Wehrmacht und ermordeten hunderttausende Juden, Sinti und Roma sowie sowjetische Funktionäre. Ab 1942 setzte der NS-Staat alle Mittel ein, um den Völkermord an den europäischen Juden in Vernichtungslagern zu organisieren und millionenfach umzusetzen.

Eine Kriegskoalition, die von der Sowjetunion, Großbritannien und den USA geführt wurde, stellte sich den deutschen Angriffskriegen entgegen. Diese Truppen schlugen nach der Landung in der Normandie 1944 die Wehrmacht zurück und drangen nach Deutschland vor. Die Rote Armee startete im April 1945 den Angriff auf Berlin. Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 waren die NS-Herrschaft und der Zweite Weltkrieg in Europa beendet, bei dem über 50 Millionen Menschen starben.

Deutschland unter alliierter Besatzung 1945 – 1949

Nach der Kapitulation teilten die Alliierten das durch den Krieg in weiten Teilen verwüstete Land in vier Besatzungszonen auf. Die Gebiete östlich von Oder und Neiße wurden polnischer beziehungsweise sowjetischer Verwaltung unterstellt. Mehr als 12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene strömten aus dem Osten in die von den Siegermächten verwalteten vier Zonen. Der Kampf ums tägliche Überleben band die Kräfte und drängte die Auseinandersetzung mit dem NS-Regime und seinen Verbrechen in den Hintergrund.

Nach dem Ende des Krieges hatten die Deutschen anfangs nur in geringem Maße Möglichkeiten der politischen Mitgestaltung. Eine gemeinsame Politik der Alliierten gegenüber Deutschland scheiterte mit dem Beginn des “Kalten Krieges”. Die Sowjetunion trieb den Umbau ihrer Zone nach sowjet-sozialistischen Leitbildern voran, während die West-Alliierten ihre Besatzungsgebiete in das Staatenbündnis der westlichen Demokratien zu integrieren suchten.

Geteiltes Deutschland und Wiedervereinigung 1949 – 1994

Seit 1949 existierten zwei deutsche Staaten. Die Deutsche Demokratische Republik errichtete eine sozialistische Einparteienherrschaft nach sowjetischem Vorbild. Die Bundesrepublik entstand unter dem Einfluss der West-Alliierten als demokratischer, föderalistischer Staat. Die Grenze zwischen beiden Staaten bildete zunächst Stacheldraht. In Berlin wurde dann ab 1961 die Mauer errichtet. Die Außenpolitik prägte der Kalte Krieg der Großmächte.
In den 1970er Jahren begann dennoch ein von den Weltmächten getragener Entspannungsprozess. Während Westdeutschland trotz Wirtschaftskrisen und innenpolitischen Konflikten den demokratischen Grundsätzen verpflichtet blieb, beschleunigten Ende der 1980er Jahre hohe Staatsverschuldung, unflexible Planwirtschaft und starre Machtstrukturen den Untergang des DDR-Regimes. Die Öffnung der Berliner Mauer besiegelte 1989 das Ende des DDR-Staates. Sie ebnete den Weg zum Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 mit Zustimmung der Alliierten im Zwei-plus-Vier-Vertrag. Berlin wurde Hauptstadt und Regierungssitz.

Norbert Lemken

Bayer AG, Director Agricultural Policy, Verbindungsbüro Berlin; Landwirt und Betriebswirt

Die Westwind-Treffen sind für mich zugleich Heimat und Rückenwind, und das in sehr angenehmer Atmosphäre.