15. Juni 2015

Peymann Azhari kam als Fremder nach Dortmund und gehört nun zu den vielen Zugewanderten, die in Dortmund heimisch geworden sind.  132 Nationen und Kulturen sind in Dortmunds Nordstadt vertreten. Das war das Thema der Ausstellung „Heimat 132“, mit Ulrich Sierau, dem Oberbürgermeister Dortmunds und weiteren Partnern aus der größten Stadt im „Revier“.

Dortmunds Nordstadt – „Heimat 132“, 15. Juni 2015

von links: Steffen Kanitz, MdB; Sabine Poschmann, MdB; Julia Emmrich, Journalistin; Ullrich Sierau, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund; Ubbo de Boer, Obmann Dortmunds für die Nordstadt; Martina Plum, Geschäftsführerin der Auslandsgesellschaft Deutschland e.V.; Marc Frese, Präsident der Auslandsgesellschaft
Die Ausstellung im Tiefhof der Landesvertretung.

Peyman Azhari kam als Fremder nach Dortmund und gehört nun zu den vielen Zugewanderten, die in Dortmund heimisch geworden sind.  Peyman Azhari hat mit ihnen gesprochen, den ehemals Fremden, die heute Einwohner der Dortmunder Nordstadt sind, hat sie nach ihrem Begriff von Heimat gefragt. Nach der Heimat, die sie zurückgelassen haben, und zu ihrer neuen Heimat in Dortmunds Nordstadt. Und er hat sie fotografiert.

Das Ergebnis seiner Arbeit wurde eindrucksvoll vermittelt durch die Ausstellung „Heimat 132“ im Souterrain der „Botschaft des Westens“.

Ullrich Sierau
Ubbo de Boer

132 Nationen und Kulturen sind in Dortmunds Nordstadt vertreten. Das war das Thema der Ausstellung „Heimat 132“. Die Hauptperson, Peyman Azhari, hatte kurzfristig absagen müssen, durfte sich aber durch einen intimen Kenner seines Projekt gut vertreten fühlen, denn an seiner Stelle war Ubbo de Boer angereist, Obmann für die Dortmunder Nordstadt. Oberbürgermeister Ullrich Sierau eröffnete das Gespräch mit einer Liebeserklärung an seine Stadt. Probleme und Schwierigkeiten verschwieg er dabei nicht, benannte sie aber immer im Zusammenhang mit der Kur, die man gewählt hatte, um sie zu bessern.

Vertieft wurden die damit angesprochenen Themen in einer Talkrunde, die von der ruhrgebietserfahrenen Journalistin Julia Emmrich und von Martina Plum, der Geschäftsführerin der Auslandsgesellschaft Deutschland e.V., moderiert wurde.

Sie diente zunächst dazu, die Talkrundengäste vorzustellen. Die beiden Abgeordneten beantworten Fragen, die ihrer Bindung an die Heimatstadt Dortmund galten. Ubbo de Boer erzählte über das Fotoprojekt “Heimat 132” und schilderte Erlebnisse aus der Zusammenarbeit mit dem Fotografen Peyman Azhari. Seine erste Heimat hatte der 29-Jährige 1988 mit seinen Eltern verlassen müssen. Damals tobte der Erste Golfkrieg.  Sein Geburtsort Teheran stand unter ständigem Bombardement der Iraker. Aus Sorge um das Wohlergehen ihrer Kinder wählten Peymans Eltern Deutschland als neue Heimat der Familie. In der Dortmunder Nordstadt traf Peyman Azhari auf Menschen, in deren Schicksal er Parallelen zu seiner eigenen Geschichte sah.

Zur Rolle des Projektförderers Auslandsgesellschaft NRW e.V. trug ihr Präsident Marc Frese vor. Die Auslandsgesellschaft wurde 1949 auf Initiative engagierter Bürgerinnen und Bürger gegründet, mit dem Ziel, die Völkerverständigung zu fördern. In ihrem Leitbild ist zu lesenWir bauen Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft,
zwischen Völkern, Gesellschaftsordnungen und Kulturen.”
(http://www.agnrw.de/index.php?idG) Dem Antrag auf Förderung des Fotoprojekts “Heimat 132” konnte die Auslandgesellschaft besten Gewissens stattgeben.

Den munteren Abschluss der Gesprächsrunde stießen die Moderatorinnen an, als sie das Publikum einbezogen. Ein ehemals in Dortmund lebender Gast erzählte, dass er seit fast 40 Jahren in Berlin lebt, kürzlich nach langer Pause Gelegenheit zu einem Dortmundbesuch hatte, dabei auch sein altes Wohnquartier Nordstadt aufsuchte und zu dem Schluss gekommen sei, dass er es in Berlin besser getroffen habe. Gegenüber früher habe er negative Veränderungen wahrgenommen. - Ullrich Sierau fragte ihn, wo er in Berlin wohne? Etwa in problematischen Kiezen im Stadtteil Neukölln? Und bat um ein gerechtes Urteil: auch in Berlin könne man Wohnquartiere mit Bevölkerungsstrukturen und Stadtbildern finden, die der Dortmunder Nordstadt stark ähneln würden.  Sierau wies den Fragesteller darauf hin, dass er die längst zum Guten hin veränderten Straßenzüge und Plätze in der Nordstadt nicht gesehen habe – und lud ihn zu einem erneuten Besuch mit exklusiver Führung ein.

In die gleich Kerbe schlug ein Dortmunder Student, der als Praktikant im Bundestag Sabine Poschmann, MdB, zur Ausstellungseröffnung begleitet hatte. Er sang ein Loblied auf die für Studierende vorzügliche Infrasstruktur der Großstadt im Ruhrgebiet. Die Nordstadt sei bei den Studenten beliebt, nicht nur wegen der vergleichsweise günstigen Mieten.

Beim anschließenden Imbiss vor den Fototafeln wurde in vielen Gesprächen der Stoff weitergesponnen, den die Talkrunde geliefert hatte. Geboten wurde u.a. die Dönninghaus Currywurst aus Bochum, die “Echte”, mit Originalsauce. Im Ausschank gab es zwar kein Getränk aus Dortmund, aber Stauder Pils aus Essen wurde gerne genommen und beförderte die allgemein gute Laune.

Hans Henner Becker

Deutscher Bundestag, wiss. Dienst; Autor von Tango-Theaterstücken, Chef der „Tangonale“

WESTWIND ist für mich ein Brückenschlag zwischen der alten Heimat Düsseldorf und der neuen Heimat Berlin.