01. Juli 2015

„Unretuschiert – Familien im Revier“: ein Ruhrgebietsabend zur Eröffnung der Fotoausstellung am 1. Juli 2015

Eva Horstick-Schmitt hat Familien im Ruhrgebiet aufgenommen. So, wie sie sich selbst auf dem Sofa in der „guten Stube“ präsentieren wollten. Als Sammlung von auf Fotos gebannten Zeit- und Sittengemälden wurden sie nun in Berlin vorgestellt. Die Essener Bundestagsabgeordneten Matthias Hauer und Dirk Heidenblut gaben beim Talk-Auftakt Privates preis und gewährten auf diese Weise den Blick auf Biografien im Revier – so, wie im weiteren Verlauf des Gespräches auch die Fotografin.

Eva Horstick-Schmitt hat Familien im Ruhrgebiet aufgenommen. So, wie sie sich selbst auf dem Sofa in der „guten Stube“ präsentieren wollten. Als Sammlung von auf Fotos gebannten Zeit- und Sittengemälden wurden sie nun in Berlin vorgestellt. Die Essener Bundestagsabgeordneten Matthias Hauer und Dirk Heidenblut gaben beim Talk-Auftakt Privates preis, und gewährten auf diese Weise den Blick auf Biografien im Revier – so, wie im weiteren Verlauf des Gespräches auch die Fotografin.

von links: Dirk Heidenblut, SPD-Mdb; Eva Horstick-Schmitt; Matthias Hauer, CDU-MdB

Ruhr pur im Tiefhof der „Botschaft des Westens“ in Berlin: die Essener Bundestagsabgeordneten Matthias Hauer und Dirk Heidenblut ließen sich von der in Dortmund lebenden Fotografin Geschichten über die abgelichteten Familien aus dem Ruhrgebiet erzählen. Zu einigen pflegte Eva Horstick-Schmitt jahrelange Kontakte und nahm sie auch mehrfach auf. Die 30 in Berlin ausgestellten Familienporträts sind nur eine Auswahl aus einer größeren Zahl von Aufnahmen, die ab 1999 entstanden und im Sommer 2011 zum Beispiel im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen waren.

Seinen in der Einladung angekündigten Vortrag musste Dr. Ulrich Borsdorf, Direktor des Ruhr Museums a.D.,  kurzfristig absagen. Nicht ausgeschlossen ist, dass dieser Vortrag über die Ruhrregion in einem anderen Zusammenhang doch noch in Berlin zu hören sein wird.

Die Abgeordneten im Gespräch mit  Moderator Ditmar Gatzmaga

„Wenn Sie für ein solches Foto die  Familie zusammengerufen hätten: wer würde auf dem Sofa sitzen?“ Das war die erste Frage an Dirk Heidenblut und Matthias Hauer. In einem Punkt waren die Abgeordneten sich einig: ihre Frau würde an ihrer Seite sitzen. Zum Drumherum fielen die Antworten unterschiedlich aus. Ein Bild an der Wand über dem Sofa? Wäre bei beiden nicht zu sehen. Heidenblut würde dafür eventuell Uhren aus seiner privaten Uhrensammlung wählen, und nein, Schwarzwalduhren gehörten nicht dazu.

Beide Politiker haben an der Ruhr-Universität Bochum Jura studiert. Beide waren früh politisch aktiv. Matthias Hauer (geb. 1977 in Hattingen) trat bereits mit 15 Jahren der Jungen Union bei.  Ehrenamtlich engagiert er sich für die Schüler- und Lehrlingsbildung und für ein Essener Kinderheim. Für Dirk Heidenblut (geb. 1961 in Essen) ist  soziales Engagement ebenfalls selbstverständlich, dem Arbeitersamariterbund gehört er seit seinem 18. Lebensjahr an und ist seitdem auch Helfer im Katastrophenschutz. Bei Netzrecherchen war außerdem zu finden, dass er als Darsteller auf zwei Essener Bühnen aktiv war. Ja, vierzehn Jahre lang mit viel Spaß an der Sache, bestätigt Heidenblut. Mit dem politischen Job vertrage sich das aber nicht.

Kulturangebote in Berlin nutzen? Geht nicht, da sind die Abgeordneten sich einig. Ein tolles Angebot, aber die Sitzungswochen sind terminlich durchgetaktet, da bleibt nicht viel Zeit. Auch die Kontakte beschränken sich weitgehend auf die politische Gemeinde.

Zuhause im Revier sieht das anders aus. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten haben Matthias Hauer und Dirk Heidenblut Gebrauch gemacht von den Angeboten der RUHR.2010, der damaligen Kulturhauptstadt Europas.  Sie urteilen übereinstimmend, dass die damit gesetzten Impulse die Ruhrregion verändert haben.

Die Fotokünstlerin Eva Horstick-Schmitt stammt nicht aus dem Ruhrgebiet, sondern aus dem westfälischen Städtchen Gescher. Studiert hat sie aber im Revier, in der Fachhochschule Dortmund im Bereich Kommunikations- und Fotodesign. Viel lernen konnte sie dabei nicht mehr, denn sie hatte schon vorher Showtheater organisiert. Deshalb schloss sie ihr Studium nicht in diesem Themenfeld ab, sondern mit einer journalistischen Arbeit.

Gut verdient habe sie damals mit der Organisation von Veranstaltungen, aber das habe viel Kraft gekostet. Deshalb habe sie einen Schlussstrich unter dieses Engagement gezogen und sich vollständig der Fotografie verschrieben. Ihre Einkünfte habe das zwar stark geschmälert, aber es sei die richtige Entscheidung gewesen. Ihre Projekte habe sie selbst auswählen können. Es sei ihr um die Themen gegangen, zum Beispiel um Ausstellungen gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution, gegen häusliche Gewalt. Wichtig war der Fotografin außerdem, dass sie sich nicht an den Arbeiten anderer orientiert habe, sie habe immer ihrer eigenen Entscheidung vertraut. Das Projekt „Unretuschiert“ habe sich nicht aus einer Planung heraus entwickelt, sondern aus der ersten Aufnahme einer Revier-Familie auf dem Sofa im Wohnzimmer.

Die Küche der Landesvertretung hatte Salate und leichte Speisen zubereitet, die nach den Gesprächsrunden viel Zuspruch und Lob fanden. Vor allem auf der Außenterrasse vor dem Tiefhof, in dem die Ausstellung aufgebaut war. Kein Café und kein Biergarten in Berlins Mitte hätte einen angemesseneren Ausklang des Sommerabends bieten können. Bei Gesprächen mit den „Ruhris“ und über die Fotografien von Frau Horstick-Schmitt.

Margarete Schwind

SCHWINDKOMMUNIKATION, Berlin

Die Veranstaltungen auf der Westwind-Seite sind so verlockend. Hätte ich mehr Zeit – ich wäre bei den Besichtigungen immer dabei!