15. Juli 2015

Der 1763 angelegte Dorotheenstädtische Friedhof bietet eine Fülle von nachdenklichen Eindrücken, eine regelrechte “Ausstellung” großer Grabmalskunst und Namen von bedeutenden Künstlern, Wissenschaftlern, Erfindern, Politikern und von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Lehre und Forschung.

Der 1763 angelegte Dorotheenstädtische Friedhof bietet eine Fülle von nachdenklichen Eindrücken, eine regelrechte “Ausstellung” großer Grabmalskunst und Namen von bedeutenden Künstlern, Wissenschaftlern, Erfindern, Politikern und von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Lehre und Forschung.

Mitten in Berlin, zentraler als auf dem Zentralfriedhof, ruhen hier Dutzende von Prominenten.

Berlins größter Friedhof ist es nicht, auch keiner, der mit einer eindrucksvollen Parklandschaft punkten könnte. Aber kaum irgendwo sonst in Deutschland sind auf den Grabsteinen so viele berühmte Namen ganz unterschiedlicher Epochen versammelt - vom 18. Jahrhundert bis heute.

Bereits der Zugang zum Friedhof ist geschichtsträchtig, denn ein prominenter Autor hat gleich nebenan gewohnt: Bertolt Brecht lebte bis zu seinem Tod 1956 mit seiner Frau Helene Weigel in dem Gebäude, das rechts an den Friedhof anschließt.

Ein schlichter Feldstein mit dem Namen des Toten in weißer Schrift steht auf seinem Grab. Neben ihm ruht Helene Weigel, die Frau, die nicht nur in vielen seiner Stücke mitspielte, sondern mit ihrem Organisationstalent auch in anderer Hinsicht für seine Inszenierungen unverzichtbar war. Hanne Hiob, Brechts Tochter aus seiner ersten Ehe mit Marianne Zoff, wurde ebenfalls hier beigesetzt.

Sie starb erst 2009 - mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem großen Schriftsteller und Dramatiker.

Die Gräber von Theaterleuten, die ihm schon zu Lebzeiten verbunden waren, findet man auch auf dem Friedhof. Nicht weit entfernt das Grab von Erich Engel, Regisseur der "Dreigroschenoper". Neben ihm Paul Dessau, einer der wichtigsten Brecht-Komponisten, genau wie Hanns Eisler, der ein paar Schritte weiter ruht - unter einem schlichten Quader als Grabstein.

In unmittelbarer Nähe befinden sich auch die Ruhestätten von Johannes R. Becher, Autor, Dichter und später Kultusminister der DDR, Arnold Zweig, Präsident der Akademie der Künste der DDR und Heinrich Mann, Autor von “Professor Unrat” und “Der Untertan”.

Aber auch an Prominenz aus dem 19. Jahrhundert hat der Friedhof einiges zu bieten: Die Gräber der beiden Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Johann Gottlieb Fichte finden sich hier Seite an Seite, nur einige Meter entfernt von Johann Friedrich August Borsig: der 1854 verstorbene "Lokomotiven-König" hatte bescheiden angefangen mit einer Eisengießerei und war dann schnell reich und berühmt geworden. Das Borsig-Verwaltungsgebäude lag an der Chausseestraße dem Friedhof gegenüber.

Drei Namen stehen für die bedeutendste Epoche preußischer Bau- und Bildhauerkunst: Karl Friedrich Schinkel, Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch.

Manche Grabsteine geben Zeugnis von erschütternden menschlichen und politischen Tragödien. So verlor Friedrich Eduard Hoffmann, bekannt als Erfinder der Ringbrennöfen, innerhalb weniger Tage seine vier Kinder im Alter von 1 – 6 Jahren, die an Scharlach starben.

Neben vielen historischen Gräbern, einige mit beachtlichen Mausoleen, gibt es etliche von Prominenten, die erst in den vergangenen Jahrzehnten gestorben sind: der DDR-Dissident Rudolf Bahro gehört dazu oder die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley.

Eine schlichte Stele steht auf einer Rasenfläche mit Gänseblümchen: dem Grab von Heiner Müller, Lyriker, Prosa-Autor und Essayist sowie Präsident der Akademie der Künste Berlin (Ost), an deren rechtem Rand ein Aschenbecher eingearbeitet ist - der Dramatiker war passionierter Zigarrenraucher.

Unmittelbar vor ihrer Befreiung in der Nacht vom 22. Zum 23. August 1945 wurden die Häftlinge des Gefängnisses Lehrter Straße von ihren SS-Bewachern erschossen. Sie waren als Mitwisser des Attentats auf Hitler verdächtigt. Auf einem Steinblock zur Erinnerung findet man u.a. die Namen Klaus Bonhoeffer, Friedrich August Perels, Rüdiger Schleicher. Unvergessen die Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, Justus Dellbrück und Hans von Dohnanyi, die in Konzentrationslagern umgebracht wurden.

Nur wenige Schritte von dieser Gedenkstätte entfernt liegt die Grabstelle des Altbundespräsidenten und früheren Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau der im Jahre 2006 hier seine letzte Ruhestätte fand.

Erst kürzlich bestattet wurden die Schriftstellerin Christa Wolf (2011) und der Schauspieler Otto Sander (2013).

Mit dem Ringelnatz Gedicht “Ende”, vorgetragen von Frau Rosemarie Köhler, fand ihr fachkundig geführter und sehr interessanter Spaziergang über den Dorotheenstädtischen Friedhof einen würdigen Abschluss, der die Teilnehmer ergriffen und nachdenklich in den Abend entließ.

Tim Arnold

The Boston-Consulting Group, Köln; 2006 – 2010 Leiter der NRW-Vertretung in Berlin, zählte zum Gründungsteam des Westwind e.V.!

Meine Westwind-Mitgliedschaft ist Ehrensache: Wir Nordrhein-Westfalen in Berlin halten zusammen.