20. November 2015

Seit einigen Jahren lief in Berlin Ende November der Krimimarathon so erfolgreich, dass er in diesem Jahr zum „Krimimarathon Berlin-Brandenburg“ erweitert werden konnte. Zum vierten Mal war der Westwind e.V. mit einem handfesten Düsseldorf-Krimi von Martin Conrath dabei.

Martin Conrath
Martin Conrath

Ein Düsseldorf-Krimi von einem Zugewanderten. Martin Conrath ist im Saarland geboren und aufgewachsen. Lebt aber nun seit sechs Jahren in Düsseldorf. Was ihn dort hingezogen hat? Die Liebe natürlich! Gibt es einen überzeugenderen Grund für einen Standortwechsel? Einerseits sind sechs Jahre nicht sehr viel. Andererseits haben diese Jahre völlig ausgereicht, um aus Conrath einen waschechten Düsseldorfer zu machen. Der Beweis: auf die Frage, welches Bier er denn am liebsten trinke, war seine Antwort: „Zuerst das Uerige. Dann das Füchschen. Danach alle anderen Düsseldorfer Altbiere.“

Mit der kölschen Variante der Braukunst wird Martin Conrath dennoch konfrontiert, spätestens immer dann, wenn das „Köln-Düsseldorfer Kriminalkomitee“ sich trifft, eine Vereinigung, die es aus Kölner wie aus Düsseldorfer Sicht eigentlich gar nicht geben dürfte. Dennoch, das Komitee gibt es tatsächlich, es besteht aus drei Düsseldorfer und vier Kölner Krimi Autorinnen und Autoren, dem auch Horst Eckert angehört, der Autor, der für den Westwind e.V. 2014 die Krimimarathon-Lesung gestaltete. Die größere Zahl der Kölner im Komitee kommentierte Conrath mit der Bemerkung, das diese zum Ausgleich notwendig gewesen sei.  

Das Krimischreiben war Martin Conrath nicht in die Wiege gelegt. Geld verdiente er zunächst als Musiker, unter anderem mit der Saar-Band „Captain Sperrmüll“. Diesen Namen habe die Band gewählt, weil die Mitglieder sich am Rande der Gesellschaft wähnten, ausgesondert zwar, aber sperrig, eben als Sperrmüll. Aber als Sperrmüll bester Sorte, Spitzensperrmüll sozusagen, darum der „Captain“ vorneweg. Mit verschiedenen Bands war Martin Conrath auf Tournee, darunter mit dem Projekt Embryo, das den betagteren Krautrock-Fans noch in Erinnerung sein könnte. Aber Conrath wechselte das Fach, wurde Journalist. Und stieß dabei auf die Themen, die er heute zu Kriminalromanen verarbeitet. Auch zu historischen Romanen dieses Genres, die er gemeinsam mit  Sabine Klewe schreibt. Sie war der Grund für seinen Umzug ins Rheinland. Diese gemeinsam erschaffenen Bücher werden auf dem Buchmarkt unter dem Pseudonym „Sabine Martin“ angeboten.

Den Roman „Ich werde töten“ erzählen wir an dieser Stelle natürlich nicht. Nur, dass er mit einem Anschlag auf die größte Kirmes am Rhein beginnt – und dort wohl auch endet? Den Schluss hat der Autor den Gästen des Abends vorenthalten, was am Büchertisch des „Buchladens zur schwankenden Weltkugel“ zu reger Nachfrage führte. Verraten dürfen wir aber wohl, dass die Heldin des Romans seiner Stammleserschaft als Profilerin Franziska Miller als „Fran“ vertraut ist. Verraten dürfen wir auch, dass ihre Beziehung zum Kollegen Sascha weiterhin schwierig, weil in der Schwebe ist. Und wir verraten schließlich, was auch der Klappentext enthüllt: die Story startet mit einem toten Professor auf dem Gelände der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Das muss reichen.

Martin Conraths Vortrag ist kurzweilig, weil er zwischen den Lesepassagen immer wieder Anekdoten und Erklärungen zum Besten gibt, die Einblicke in seine Gedankenwelt und Arbeitsweise erlauben. Die mehr als 50 Gäste dankten es ihm mit ihrem Applaus – und vielen Bitten um Widmungen in seinem aktuellen Buch.

Tim Arnold

The Boston-Consulting Group, Köln; 2006 – 2010 Leiter der NRW-Vertretung in Berlin, zählte zum Gründungsteam des Westwind e.V.!

Meine Westwind-Mitgliedschaft ist Ehrensache: Wir Nordrhein-Westfalen in Berlin halten zusammen.