31. August 2016

Emil Nolde ist der Maler des Nordens. Aufgewachsen in der norddeutschen Küstenlandschaft zwischen Nord- und Ostsee, ist er zwar oft genug aufgebrochen in ferne Gegenden, aber immer zog es ihn zurück in seine heimatliche Landschaft, in der er zu seinem unverwechselbaren Stil finden sollte. Das weite, flache, einsame Land zwischen den Meeren, der hohe Himmel und die ewig bewegte See, Symbol unbezähmbarer Naturgewalt, die zyklischen Rhythmen der Natur, Gezeiten und Jahreszeiten, das Hintergründige und das Legendäre dieser nordischen Schicksalswelt haben in seinen Bildern stets die bestimmende Rolle gespielt.

Die jetzige Ausstellung “Emil Nolde. Der Maler” im Brücke-Museum ist die erste Gemälde-Retrospektive von Nolde in Berlin. Mit mehr als 70 Gemälden und Papierarbeiten wird Noldes Selbstverständnis als “nordischer Künstler”, sein tiefes Erleben der heimatlichen Landschaft, ihrer Menschen, ihrer Spuk- und Sagengestalten, der Ostsee in ihren wechselnden Stimmungen vorgestellt.

1910/11 schuf Nolde eine Folge von Bildern, die er Herbstmeere nannte und die bis an den Rand der Gegenstandslosigkeit gehen: bewegte Meere mit glühenden Sonnenuntergängen, das Brausen der Wellen, die sich stets wandelnden Wolkenformationen, das Ineinander übergehen oder Aufeinandertreffen der Elemente am Horizont. Hier existiert keine Distanz mehr zwischen Mensch und See, der Betrachter befindet sich inmitten des tosenden Meeres, das ihn von allen Seiten umgibt, während sein Blick doch nur einen Ausschnitt aus der Unendlichkeit zu erfassen vermag.

Ins Auge fallen bei Nolde die stark vereinfachten Gesichter und Körper, die an Kinderzeichnungen erinnern. Der Rückgriff auf “primitive” Formen sollte den Ausdruck steigern und zugleich zu den Grundlagen der seelischen, geistigen und Lebensverhältnisse zurückführen. Vor allem die Farbe wurde ihm zu einem psychischen Ausdrucksmittel, seine Porträts ließ er zu “sprechenden” Farbflecken werden.

Mit dem Begriff “entartete Kunst” wurden während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland alle Kunstwerke belegt, die den Vorgaben der Kunst im Nationalsozialismus nicht entsprachen. Darunter fielen Kunstrichtungen wie Expressionismus, Kubismus, neue Sachlichkeit und viele andere. Auch die Werke Noldes wurden der “entarteten Kunst” zugeordnet.

Seit der Ausstellung “Entartete Kunst fühlte Nolde sich immer mehr in die innere Isolation getrieben. Bereits 1938 hatte er angefangen, in der Abgeschiedenheit seines Hauses in Seebüll kleine Formate in Aquarellfarbe zu malen. Diese Bilder waren in mehrfacher Beziehung “ungemalt”.

Zum einen, weil sie nach Maßgabe des damaligen Polizeistaates überhaupt nicht entstanden sein durften und andererseits weil Nolde vorhatte, diese Blätter später in großformatige Ölbilder umzusetzen, sie also seinem Vorhaben gemäß bis dahin noch gar nicht gemalt waren.

Sebastian Frevel

Geschäftsführer von Beust & Coll.

Durch das politische Berlin weht beizeiten ein rauer Wind. Etwas "Westwind" ist da - gerade für uns Nordrhein-Westfalen - eine fröhliche und willkommene Brise.