und Besichtigung eines Atombunkers

20. Juli 2016

Eine Bunkertour hat der eine oder andere auf eigene Faust oder im Rahmen einer Exkursion des WestwindClubs mit dem Berliner Unterwelten e.V. schon mitgemacht. Zu sehen sind dabei Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Aber wer war schon einmal in einem richtigen Atomschutzbunker? Diese Chance bekamen wir im Rahmen des Besuchs des Erlebnismuseums “Story of Berlin” im Kudamm Karree. Unterhalb der zum Kudamm Karree dazugehörigen Tiefgarage liegt er – ein Relikt aus dem Kalten Krieg in den 70er Jahren. Damals eher als “in Beton gegossene Beruhigungspille” für die Bevölkerung gebaut, hat er Platz für ca. 3.600 Menschen und ist damit der größte Atomschutzbunker Berlins. Zu erreichen ist der Bunker über vier enge und über viele steile Treppen hinabführende Zugänge, die sich an den Ecken der Tiefgarage befinden. Unvorstellbar, was sich dort bei ausbrechender Panik abspielen würde. VIP-Plätze waren übrigens nicht vorgesehen - es galt die Regel “first come – first serve”.

Nach einer Schleuse mit Dusche zum Abwaschen von verseuchtem Staub und Schmutz war ein Kleiderwechsel vorgesehen, bevor die Menschen in den eigentlichen Bunker hätten eintreten dürfen. Das blaue Licht verbreitet dort eine seltsame Atmosphäre, man hört sie Laute der Luftfilteranlage und es wirkt beengend. Die Hochbetten stapeln sich bis unter die Decke, Bettzeug war nicht vorgesehen. Man nahm an, dass es bei so vielen Menschen nicht lange dauern würde, bis die Temperatur bis auf ca. 30 ° Grad steigt… Fast 4.000 Menschen auf beengend wenig Platz für 14 Tage eingesperrt – so lange hätte es nach einem Verschluss gedauert, bis sich die Schleusen wieder öffnen – wie schnell kommt es da zu Krankheiten oder Gewalttätigkeiten? Auch dafür hatten die Erbauer vorgesorgt – der Bunker ist in 2 Hälften trennbar, um die Gesunden vor den Kranken oder die “Guten” vor den “Bösen” zu schützen. Eine Tonbandaufnahme von über Berlin kreisenden Fliegern und dem Heulen des Fliegeralarms tun ihr übriges, dass man sich schnell wieder ans Tageslicht wünscht. Übrigens ist der Bunker nach 9/11 wieder in einen Stand-by-Modus versetzt worden und wäre jetzt innerhalb von 14 Tagen wieder voll einsatzbereit und funktionstüchtig. Man kann sich nur wünschen, dass es niemals dazu kommt…

Zum Museum gelangt man ebenerdig durch den Eingang zum Kudamm Karree. Es ist nicht zu verfehlen, rote Schuhabdrücke weisen den Weg. In der “Story of Berlin” begeben sich die Besucher auf einen spannenden Spaziergang durch 800 Jahre Berliner Geschichte.

In 23 Themenräumen – jeder individuell gestaltet, begehbar und mit moderner Multimediatechnik ausgestattet – wird die Alltagswelt der Berliner Bevölkerung für jeden erlebbar. 23 Themenräume auf ca. 6000 qm – unmöglich in Gänze zu schaffen im Rahmen der gebuchten Führung, für die 1,5 Stunden vorgesehen sind. Die Themenräume laden mit Ausstellungsstücken sowie Ton- und Filmaufnahmen dazu ein, sich in die jeweilige Zeit zurück zu versetzen und machen neugierig auf mehr.

ein Wohnzimmer der Nachkriegszeit

Hans Henner Becker

Deutscher Bundestag, wiss. Dienst; Autor von Tango-Theaterstücken, Chef der „Tangonale“

WESTWIND ist für mich ein Brückenschlag zwischen der alten Heimat Düsseldorf und der neuen Heimat Berlin.