5. April 2016

Für den  5. April, 19:30 Uhr, hatte der Westwind e.V. zur Lesung des Inselkrimis „IBIZA-GOLD eingeladen.

Fred J. Heidemann

Ein Hauch Mittelmeerluft wehte durch den Veranstaltungsraum, nein, nicht durch die WestLounge der „Botschaft des Westens“, sondern durch den großen Veranstaltungsraum der Vertretung der Freien Hansestadt Bremen, zwei  Häuser entfernt, in Richtung Landwehrkanal.

Die Westwind-Lesung wich einer großen Konkurrenzveranstaltung in der Botschaft des Westens aus und wurde gastfreundlich aufgenommen in dem Haus, in dem die NRW-Vertretung Anfang des Jahrtausends Untermieter war. Sie hatte im Haus der Bremer zwei hanseatisch gediegen ausgestattete Büros belegt, weil die damals von den Nordrhein-Westfalen angemieteten schmucklosen Büroräume in der Kurfürstenstraße den protokollarischen Anforderungen etwa eines Botschafterempfangs nicht genügten. Erst ab Ende 2002 stand der Glaspalast der Botschaft des Westens zur Verfügung.

Erik Bettermann

Erik Bettermann, der Westwind-Vorsitzende, begrüßte die Gäste – und seinen ehemaligen Kollegen Fred J. Heidemann. Bettermann war als Bevollmächtigter Bremens beim Bund bis 2001 Hausherr in der Landesvertretung Bremen, Heidemann war damals Bevollmächtigter des Freistaats Sachsen, und zwar bis zu seinem Rückzug aus dem Berufsleben im Jahr 2007. Seitdem wohnt er mit seiner Frau auf der Insel, die er immer schon geliebt hatte und schreibt Bücher. IBIZA-GOLD ist darunter ein besonderes, denn es ist sein erster Kriminalroman. Fortsetzungen, so erfuhren wir, sind aber längst geplant.

Den Stoff für seinen ersten Krimi habe er lange mit sich herum getragen, historische Quellen recherchiert und die so gefundenen Begebenheiten mit Handlungsfäden verknüpft, die er eigens dafür gesponnen hat: Fast zeitgleich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde am 31. Juli 1914 der sozialistische französische Politiker und Pazifist Jean Jaurès in Paris ermordet. Der Attentäter, Raoul Villain, saß während des Krieges in Untersuchungshaft, wurde nach Kriegsende aber freigesprochen. Er starb 1936 auf Ibiza, unter Umständen, die bis heute nicht geklärt sind. Oder doch? Jedenfalls, so ist in IBIZA-GOLD zu lesen, findet der Bonner Journalist Rick Helmbach Hinweise darauf, dass ein Kollege diese Geschichte später recherchierte, dann aber unauffindbar verschwunden ist.  Das lässt ihm keine Ruhe, Helmbach folgt der Spur nach IBIZA und lernt dort Sofia Ruiz Cardona, eine Sergeantin der Guardia Civil kennen, die er für seinen Fall interessieren kann.

Fred Heidemann erzählt von dem Stoff, den er verabeitet hat, erklärt, was davon belegt ist und was Dichtung, liest dann eine Passage aus dem Roman, um dann mit seinen Erklärungen die Lücke bis zur nächsten zu schließen. Dabei erfahren seine Zuhörer nebenbei eine Menge über „seine“ Insel. Die Auflösung, ja, die kann hier verständlicherweise nicht preisgegeben werden, das müssten Sie nachlesen. Aber einen handfesten Trost lieferte der Autor selbst: die Fortsetzung „IBIZA-FLUCHT“, frisch erschienen und am Büchertisch frisch ausgepackt, nachdem er diese Überraschung enthüllt hat.

Die Lesung schloss mit einigen Szenen aus der Neuerscheinung. Aus seinen Pflichten entlassen war der Autor damit freilich nicht. Es gab zahlreiche Wünsche zu Widmungen in den am Büchertisch erworbenen Romanen. Übrigens: geplant hat Fred Heidemann eine Ibiza-Trilogie, der dritte Band sei praktisch schon in Arbeit.  

Für den gelungenen Ausklang sorgte schließlich die Küche der Bremer Vertretung mit einem leckeren Imbiss, insbesondere war hier die pikante Möhrensuppe erwähnenswert. Mit hanseatischem Understatement könnte man ergänzen: die Kartoffelsuppe war auch nicht schlecht.

Tim Arnold

The Boston-Consulting Group, Köln; 2006 – 2010 Leiter der NRW-Vertretung in Berlin, zählte zum Gründungsteam des Westwind e.V.!

Meine Westwind-Mitgliedschaft ist Ehrensache: Wir Nordrhein-Westfalen in Berlin halten zusammen.