18. Januar 2016

Ein gelungener Start in das Jahr 2016! Mit einer erinnerungsstarken Festrede durch Dr. Angelica Schwall-Düren, Staatsministerin a.D. und qualitätsvollen und höchst unterhaltsamen kulturellen Beiträgen durch das Trio Dan und der Lesung durch Lars von der Gönna. Unter den Gästen die Westwind-Ehrenmitglieder Norbert Lammert und Franz Müntefering.

Den Einstieg das Programm gestaltete das Trio Dan mit einem virtuos vorgetragenen, munteren Stück von Andrea Falconieri. Ans Pult trat anschließend Lars von der Gönna, Kulturredakteur bei der WAZ in Essen, mit zwei Texten aus dem “Großen Buch der Ruhrgebietsballaden” (ISBN 978-3-942094-54-2). Als Erstes erinnerte er an den sprichwörtlichen Ritt über den Bodensee, und las sodann die moderne regionale Variante “Der Beiker und der Baldeneysee”. Sein Publikum hatte er damit an Anhieb erobert.

Die Festrede war der Mittel- und Höhepunkt des Abends. Nachdem der Westwind-Vorsitzende die Gäste begrüßt und die Mitwirkenden gewürdigt hatte, bat er Angelica Schwall-Düren ans Pult. Ihr Thema war der diesjährige 70-ste Geburtstag des “Bindestrichlandes” Nordrhein-Westfalen, ein Kunstgebilde, das die Britische Militärregierung am 23. August 1946 aus der Taufe hob, um damit Fakten zu schaffen vor allem für die Zukunft des Ruhrgebiets. Denn die Siegermächte Frankreich und Russland hatten deutlich Blicke auf das Zentrum der deutschen Schwerindustrie geworfen, das immer noch Ressourcen zu bieten hatte, trotz der furchtbaren Narben, die gerade die letzten Kriegswochen dem Revier geschlagen hatten. Mit der Gründung Nordrhein-Westfalens war das Ruhrgebiet derartigen Begehrlichkeiten entzogen. Die Briten wollten, dass es sich zu einem starken industriellen Zentrum für das ganze Nachkriegsdeutschland entwickeln konnte.

Der Blick auf die Gründerjahre verdeutlichte, dass NRW allen Grund hat, seine Geburtsstunde zu feiern. Erinnerte aber auch daran, dass damals im Revier zwei Institutionen entstanden sind, die unsere Lebenswirklichkeit bis heute prägen: die Montanunion als Keimzelle der Europäischen Union; und die paritätische, die Montanmitbestimmung, eine Form der Kooperation zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite, die heute weltweit als vorbildlich angesehen wird.

Die Festrede hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Etliche Fragen nach dem Manuskript belegen das. (Der Westwind kann liefern, muss den Mitschnitt der Veranstaltung dafür aber erst auswerten!)

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Konrad Beikircher

Autor, Musiker und Kabarettist aus Bonn; Westwind-Ehrenmitglied!

Wir Rheinländer haben Berlin gegründet. Jetzt wird es Zeit, es zum Leben zu erwecken, denn: ohne Wind ussem Westen lööf in Berlin gar nix!