18. November 2016

„In der europäischen Doppelstadt Frankfurt (Oder)-Slubice wird in rascher Folge bei wohlhabenden Unternehmern eingebrochen, die Täter hinterlassen kaum Spuren. Die Ermittlungen des deutschen Kommissars Bernd Matuszek und seines polnischen Pendants Wojtek Milosz kommen kaum voran …

Sören Bollmann und Rita Brückner
Jörg Becken

…nicht zuletzt, weil private und intime Erlebnisse viel Aufmerksamkeit beanspruchen. Als zu der Einbruchserie in der halben Stadt auch noch ein Mord auf der polnischen Seite dazu kommt, scheint die Verwirrung komplett.“  So wirbt der junge KLAK-Verlag für den zweiten Band einer Triologie, die in Frankfurt (Oder) und der Nachbarstadt Slubice auf der polnischen Oderseite spielt. Der II. Weltkrieg endete u.a. mit einer Grenzziehung, die aus der einst einen Stadt eine geteilte, also zwei halbe Städte machte.

Seine Themen und Autoren hat der junge Verlag nicht nur diesseits und jenseits der Oder gesucht, aber das Verlagsprogramm belegt eine hohe Aufmerksamkeit für Literarisches von der polnischen Seite. So konnte Jörg Becken, der Verleger, zum Beispiel mit sichtbarem Spaß an diesem Hinweis erzählen, dass der Startband der Trilogie, „Mord in der halben Stadt“, soeben auch in polnischer Sprache erschienen sei (http://www.klakverlag.de/). Und noch in diesem Jahr die Trilogie komplettiert werde.

Die Lesung aus dem „Einbruch …“ durch den Autoren Sören Bollmann war der insgesamt fünfte Beitrag des NRW-Hauptstadtnetzwerkes Westwind e.V. zum „Krimimarathon Berlin-Brandenburg“. Gut besucht waren die Westwind-Lesungen in dieser Reihe immer, noch nie aber so gut wie am 18. November 2016: Insgesamt 75 Personen heizten die „WestLounge“ neben dem Tiefhof im Westteil der NRW-Landesvertretung durch bloße Anwesenheit kräftig auf. Auch deshalb konnte die Westwind-Geschäftsführerin Rita Brückner den Abend gut gelaunt eröffnen.

Ditmar Gatzmaga, Sören Bollmann

Sören Bollmann, der Autor der drei Krimis, wurde 1970 in Duisburg am Rhein geboren; aber einige von Ditmar Gatzmaga gestellte Fragen zur Person offenbarten: Bollmann zog es frühzeitig hinaus in die Welt: der freiwillige Sozialdienst, das Studium der Psychologie sowie eine Tätigkeit als Deutschlehrer und Kommunikationstrainer führten ihn nach Brüssel, Nordfrankreich, Berlin und Poznañ. Seit mittlerweile 16 Jahren lebt Bollmann in Frankfurt (Oder), arbeitet dort in grenzüberschreitenden Projekten. Seine Krimitrilogie ist nichts anderes als ein grenzüberschreitendes Projekt, allerdings ein privates.

So anschaulich präsentiert der Autor seine beiden halben Städte, dass man den Eindruck gewinnen konnte: das Buch taugt auch als Reiseführer. Seine Schilderungen leuchten zudem vor lauter Sympathie mit den porträtierten Personen und Ortsansichten. Man wurde hineingezogen in die Szenerie, als wenn man ein Teil von ihr sei, ein Beobachter auf der anderen Straßenseite.

Klassische Krimi-Szenen blieben bei der Lesung ausgespart. Auf den Wunsch, etwas in dieser Richtung Typisches zu ergänzen, reagierte Sören Bollmann mit dem Hinweis, dass er nichts verraten wolle, was auf die Lösung hinweise, bediente den Hunger nach mehr aber mit zusätzlichen Seiten aus seinem Roman. Belohnt wurde der Autor mit kräftigem Applaus.

Als Fazit übernehmen wir eine kurze Passage aus der Rezension des ersten Bandes der Trilogie von Dietrich Schröder aus der Märkischen Oderzeitung (MOZ):

Alles in allem ist das Buch viel mehr als nur ein Krimi, sondern eine Milieustudie von der Grenze. Über manchen Akteur hätte man sich sogar noch mehr Details gewünscht. Eines der schönsten Komplimente für seinen Erstling, "Mord in der Halben Stadt", bekam Bollmann bei einer Lesung in den Nachbarstädten Görlitz und Zgorzelec: "Da bat mich jemand: Lassen Sie die Kommissare Matuszek und Milosz doch auch mal in unseren Städten ermitteln.

Mehr an Details hat Bollmann mit der Fortsetzung geliefert: ein literarischer Gewinn, der nicht auf Kosten von Action und Spannung geht. Bestätigung findet diese Aussage beim Lesen des “Einbruchs in die halbe Stadt”.

Der Abend klang aus mit dem Gang an den von Jörg Becken aufgebauten Büchertisch, damit, sich das Erworbene vom Autoren signieren zu lassen – und dem Gang zum Büfett. Das alles in bester Laune und viel Lob für den gelungenen Abend.  

Petra-Sabine Ullrich

Tätig für die CDH e.V. – Der Verband für Vertriebsprofis

Ich bin gerne im Verein Westwind. Es ist immer wieder schön, ab und an Heimatgefühle vermittelt zu bekommen und Kölsche Töne zu hören. Die regelmäßigen Stammtische sind stets eine Bereicherung. Schnell ist man in Kontakt mit sympathischen Menschen, die alle eines verbindet: die Liebe zu NRW.