20. Juni 2018

Ein Bericht von Dr. Serge-Daniel Jastrow

Eine tolle und abwechslungsreiche Führung in einer kleinen Gruppe bei prächtigem Sommerwetter mit unserem Lieblings-Stadtführer Jochen Schäfer, der uns gekonnt und sympathisch die Kreuzberger Geschichte anhand typischer Stadtszenen fesselnd zeigte.

Das neue Kreuzberger Zentrum – ein Hochhauswall gegen den Autolärm, den der damalige Senat durch seine Idee einer autogerechten Stadt als Lärmschutz schuf. Tatsächlich schirmt er vom Lärm des Kottbusser Tors hervorragend ab und ist bis heute eine sehr beliebte zentrale Wohngegend mit toller Nachbarschaft.

Das Gebäude nebenan war als Garage geplant – und wurde um geplant, als deutlich wurde, dass die Bewohner nicht Autos abstellen wollten – sondern mit Kindern ihre Umgebung erobern.

Es ging vorbei an im Straßenbild verbliebenen Bildern aus einer Ausstellung Berlin-Istanbul, hin zum Oranienplatz, wo vormals das Wasser des Luisenstädtischen Kanals floss.

Spannend wurde in den Beginn der Kreuzberger Hausbesetzungen eingeführt. Mit Glück kann man heute sagen, dass die Vorstellung, Kreuzberger Altbauten für eine autogerechte Stadt niederzureißen, nicht Wirklichkeit wurde. Gleichzeitig sieht man den Wandel der Gegend, wo Neubauten auf der einen Straßenseite Altbauten auf der anderen gegenüberstehen.

Das Künstlerhaus Bethanien, in das wir kurz einkehrten, gibt heute Künstlern eine Heimat, selten geworden in Berlin. Die spannende Geschichte, wie ein gut laufendes Krankenhaus 1970 geschlossen und – von der Band „Ton Steine Scherben“ aufgegriffen - besetzt wurde, dann zu einer kulturellen und sozialen Einrichtung wurde, wird in Erinnerung bleiben.

Noch bunter: eines Morgens im Jahre 1983 beschloss Osman Kalin, eine Brache an der Grenzmauer, im DDR-Eigentum, aber auf der Westseite, ohne Zugriff der Berliner Polizei, als Garten auszugestalten. Diese Touristenattraktion – der „Kreuzberger Guerilla-Garten“ - mit seiner filmreifen Geschichte, auch nach dem Mauerfall, konnten wir vor Ort bestaunen.

Abgeschlossen wurde die zweieinhalbstündige Führung am Mariannenplatz mit Blick auf den Feuerwehrbrunnen von 1902, drei im Wasser stehende gusseiserne Feuerwehrleute  – samt einem dort gerade planschenden Schäferhund. Das ist die Freiheit des Berliner Lebensgefühls!