24. März 2018

Es ist früher Samstagnachmittag als sich 17 Westwindler und Gäste vor dem ehemaligen Ministerium für Staatsicherheit – MfS – der DDR, Haus 1 der „StaSi-Zentrale“ an der Normannenstraße treffen. Der graue Himmel unterstreicht die Tristesse der Plattenbau-Kulisse. Beim Betreten des „repräsentativen Foyers“ werden die Besucher durch einen dort ausgestellten „GTW“ – Gefangenentransportwagen - gleich mit der Wirklichkeit der ausgefeilten Überwachungs- und Einschüchterungs- und Unterdrückungsapparates der DDR konfrontiert.

Thomas Luckow, ein nachdenklicher und von vielen Erinnerungen und eigenen Lebenserfahrungen geprägter Kenner der DDR führt die Gruppe mit Geschichten und Bezügen zur Gegenwart noch einmal zurück in die inzwischen seit mehr als 38 Jahren zurückliegende Geschichte des von der Sowjetunion beherrschten Staates. Seine Schilderungen sind von der Ambivalenz eines in der DDR aufgewachsenen Menschen geprägt, der sich der Schwächen und der systematischen Einschüchterungen der Bevölkerung durch eine alles dominierende SED und ihres Unterdrückungsapparates StaSi zunehmend bewusst wird und daraus die persönliche Konsequenz der frühzeitigen Übersiedlung in die Bundesrepublik zieht. Der sich aber auch bewusst ist, dass die 16,5 Mio. DDR-Bürgerinnen und Bürger, von denen nach seinen Angaben rund 5 Mio. unter Überwachung der StaSi standen, sich in ihrem Leben einrichten mussten, ihre eigenen Biografien gestaltet und gelebt haben und sich auf die eine oder andere Weise ihre kleinen und größeren persönlichen Freiheiten im engeren Umfeld gesucht haben – immer mit der Angst lebend, dass ein falsches oder unbedachtes Wort ihnen mindestens eine Vorladung oder Verhaftung einbringen könnte.

Die Methoden des Apparates, die Dominanz der StaSi, die sich weder in ihrer Überwachungstätigkeit noch bei Verhören, Verhaftungen und langfristigen Inhaftierungen in geheimen Gefängnissen auf eine Grundlage im Recht der DDR berufen konnte und die „Legitimation“ ihres Handelns einzig und allein von der politischen SED-Führung erhielt, konnten – so Luckow – letztlich die Schwächen des Systems und seinen Niedergang nicht aufhalten. Bis zum Schluss wurden einzelne Berichte von StaSi-Vertretern der Bezirke über wachsende Unruhe in der Bevölkerung, Versorgungsengpässe und marode Infrastruktur schlicht ignoriert und die „Boten bestraft“, ohne dass es Bemühungen gegeben hätte, die Herausforderungen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse anzunehmen.

Die Biederkeit der Büros des machtvollen Generals Erich Mielke, der viele Jahrzehnte für die Staatssicherheit verantwortlich zeichnete, und seiner engsten Mitarbeiter, mutet zum Abschluss der Führung durch Teile des StaSi-Museums, vermittelt dem Besucher mit holzgetäfelten Wänden, Teppichböden und Vorhängen sowie vorsintflutlicher Telefontechnologie eine skurrile Mischung von nostalgischen Eindrücken und die Erkenntnis, dass von diesen Verwaltungsbüros über vier Jahrzehnte eine Schreckensherrschaft ausging, der viele Menschen zum Opfer gefallen sind und von der noch viele Betroffene auch heute noch ihre Wunden tragen.

Die Westwindler waren am Ende der 2stündigen Führung sehr bewegt und appellierten, die Geschichte nicht vergessen zu lassen und insbesondere jungen Menschen eindrücklich zu vermitteln. Das StaSi-Museum ist nicht nur für Berlin, sondern für die politische Kultur und Bildung unseres Landes ein wichtiger Ort, in dem Geschichte lebendig bleibt.

Petra-Sabine Ullrich

Tätig für die CDH e.V. – Der Verband für Vertriebsprofis

Ich bin gerne im Verein Westwind. Es ist immer wieder schön, ab und an Heimatgefühle vermittelt zu bekommen und Kölsche Töne zu hören. Die regelmäßigen Stammtische sind stets eine Bereicherung. Schnell ist man in Kontakt mit sympathischen Menschen, die alle eines verbindet: die Liebe zu NRW.