26. Oktober 2017

„Hau ab, Du bist ja doch bald wieder hier“ – mit dieser „herzlichen“ Ermutigung wurde Jörg Rommerskirchen Anfang 1957 als 15jähriger und ältestes von sieben Kindern von seinem Vater ins Leben entlassen. Das muss eine starke Motivation für einen außergewöhnlichen Berufsweg und eine besondere Karriere gewesen sein. Jörg Rommerskirchen stellte sich und seinen beruflichen Werdegang am 26. Oktober im Rahmen der Westwind-Reihe „Mitglieder stellen sich vor“ in der „Botschaft des Westens“ launig und mit vielen Anekdoten gespickt vor.

Ein von zahlreichen Stationen geprägtes berufliches Leben: Vom Schiffsjungen, der das Offizierspatent erwarb, vom Gewerkschafter, der Volkswirtschaft studierte, von seiner Zeit als Büroleiter beim Hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner und von den Aufgaben eines Senatsdirektors in Hamburg, der sich mit Häfen, Schifffahrt und Verkehr befasste, zum Berliner Spitzenbeamten und Manager, Aufgaben, die ihn immer wieder vor neue Herausforderungen stellten und - an der Schnittstelle zur Politik - auch die Fähigkeiten und das Engagement einer pragmatischen und lösungsorientierten Führungskraft in der Ministerialverwaltung erforderten.

Im Mittelpunkt des Gesprächs, das der Stellvertretende Westwind-Vorsitzende Klaus Brückner mit Jörg Rommerskirchen führte, stand seine Rolle als Staatssekretär der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft im Jahr 1989 - vor allem in den Tagen rund um den Fall der Berliner Mauer am 9. November. Klaus Brückner rief noch einmal die sich überschlagenden Ereignisse dieses Jahres in Erinnerung, in dem die Überwindung der Trennung zwischen Ost und West ihren Anfang nahm und die nach dem wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch der DDR Millionen Menschen ermutigten, auf dem Weg in den Westen eine lang ersehnte Freiheit zu erleben.

Mit Anekdoten, genauen Beschreibungen kleiner und großer Begebenheiten vor und hinter den Kulissen der Berliner Senatspolitik und persönlichen Kommentaren illustrierte der begabte Erzähler Jörg Rommerskirchen die bereits in den letzten Oktobertagen des Jahres 1989 begonnenen Vorbereitungsarbeiten für einen zu erwartenden größeren Ansturm von DDR-Bürgern auf den Westteil der Stadt. Anlass für die Überlegungen waren der kurz zuvor in der DDR vollzogene Machtwechsel und die Ankündigung des neuen SED-Generalsekretärs Egon Krenz, dass die Reisebestimmungen für DDR-Bürger gelockert werden sollten. Und der Berliner Senat nahm an, dass zu Weihnachten des Jahres 1989 mit dreihundert- bis fünfhunderttausend Besuchern in West-Berlin gerechnet werden müsse.

Vor den Augen der rund 50 Gäste entstanden in der Westlounge der NRW-Landesvertretung noch einmal die Bilder aus diesen Tagen – die verhaspelte Pressekonferenz eines Günter Schabowski, der mit einer wohl so nicht geplanten Aussage, dass die Reise- und Visafreiheit „unverzüglich“ in Kraft trete, einen Ansturm auf Grenzübergänge auslöste und von den nahezu 2 Millionen DDR-Bürgerinnen und Bürgern, die sich allein am ersten bis zum Wochenende nach dem 9. November auf den Weg nach West-Berlin gemacht hatten und von den zahlreichen Zahlstellen für das Begrüßungsgeld, dessen Auszahlung die Bundesregierung beschlossen hatte. Aber es war vor allem die Westberliner - die Politik, die Verwaltung, der Einzelhandel und - nicht zuletzt - S-Bahn und BVG, die den in dieser Stärke unerwarteten, bis dahin nie gekannten Strom von „Touristen“ zu bewältigen hatten. Denn der Senat durfte die Besucher aus Ost-Berlin nur als Touristen behandeln - der Vier-Mächte-Status der Stadt und die große Macht der Alliierten auch im Westteil erlaubten keine darüber hinaus gehende Wahrnehmung der Besucher aus dem Osten.

Für Jörg Rommerskirchen waren die Ereignisse Chance und Herausforderung zugleich, seine Entscheidungsfreude und seine Tatkraft unter Beweis zu stellen; er war der für Tourismus verantwortliche Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, und so war es nicht nur „politisch korrekt“, ihn mit der Koordinierungsaufgabe zu betrauen sondern wohl auch ein Glücksfall, dass in diesem Moment ein Mann mit nordrhein-westfälischen Wurzeln, viel Lebenserfahrung, Mut und erprobter Managementfähigkeit zur Verfügung stand und dazu beitragen konnte, dass die Menschen in Berlin den Beginn der Wiedervereinigung in ungetrübter Freude feiern konnten. Aber es wurde nicht nur gefeiert. Mit Hilfe des eigens eingerichteten „Koordinierungsausschuss für innerstädtische Investitionen, KOAI“, dessen Vorsitzender Rommerskirchen wurde, ging es noch vor der förmlichen Wiedervereinigung an die Zusammenführung der städtischen Strukturen und die Genehmigungen für erste Investitionen auf restitutionsbelasteten und enteigneten Grundstücken. Da verging so manche Nacht bis zur einstimmigen Entscheidung eines jeden Einzelprojekts.

Mit einem besonders nachdenklichen und von tiefer Dankbarkeit geprägten Beitrag meldete sich der ebenfalls anwesende Stellvertretende Botschafter der Republik Kosovo , Astrit Zemaj, zu Wort. Der Fall der Mauer sei für Europa die Befreiung gewesen und markiere für ihn ganz persönlich den Beginn eines Lebens in Freiheit und Frieden - dafür sei er allen, die daran mitgewirkt hätten, besonders dankbar.

Ein gutes Schlusswort und Signal für einen herzlichen Applaus der Gäste für einen interessanten und informativen Abend und als Dank für die gute Bewirtung mit nostalgischen Leckereien sowie für die wie immer hervorragende Betreuung durch das Team der Landesvertretung NRW!

Fotos Arno Bauermeister

Petra-Sabine Ullrich

Tätig für die CDH e.V. – Der Verband für Vertriebsprofis

Ich bin gerne im Verein Westwind. Es ist immer wieder schön, ab und an Heimatgefühle vermittelt zu bekommen und Kölsche Töne zu hören. Die regelmäßigen Stammtische sind stets eine Bereicherung. Schnell ist man in Kontakt mit sympathischen Menschen, die alle eines verbindet: die Liebe zu NRW.