2. August 2018

Der sengenden Sommerhitze trotzend machten sich 21 Westwind Mitglieder auf den Weg ins benachbarte Potsdam, um dort im Museum Barberini an der Führung durch die Ausstellung

„Gerhard Richter. Abstrakt“ teilzunehmen.

Die Ausstellung schlägt den großen Bogen von den 1960er Jahren bis zu neuen Arbeiten. Sie widmet sich dabei erstmals einem für Richters Malerei zentralen Thema: den abstrakten Strategien und Verfahrensweisen im Gesamtwerk des Künstlers.

Die sehr kompetente und sympathische Museumsführerin gibt zunächst einen Einblick in die Biografie Gerhard Richters, der am 9. Februar 1932 in Dresden geboren wurde. Er studiert in den Jahren 1951 bis 1961 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden Malerei und Wandmalerei, erhält öffentliche Aufträge und fertigt freie Arbeiten. Bei einem Besuch der II. documenta 1959 in Kassel macht die abstrakte Kunst großen Eindruck auf ihn.

In der DDR ist er strengen Regularien unterworfen, verlangt wird von dem damaligen Regime ausschließlich gegenständliche Malerei. 1961 flieht Richter mit seiner Frau nach Westdeutschland und setzt in Düsseldorf sein Studium fort. Er taucht ein in die Düsseldorfer Kunstszene und experimentiert mit verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen. Ab den frühen 1960er Jahren dienen Richter Schwarz-Weiß-Photographien als Vorlagen für seine Gemälde. 1966 entstehen erste gegenstandslose Arbeiten, er beginnt die Serie der Farbtafeln und experimentiert mit dem Material Glas. Sein Schaffen ist dabei geprägt von einem häufigen Wechsel zwischen den Stilen.

1980 setzt er erstmalig die Rakel ein, um seine Abstrakten Bilder zu schaffen. Mit seinen Hinterglasbildern und Strips erweitert Richter seit den 2000er Jahren seine Materialien und Techniken nochmals grundlegend. 2007 schafft er ein monumentales Glasfenster für den Kölner Dom. Heute zählt Gerhard Richter zu den erfolgreichsten lebenden Künstlern weltweit.

Die Ausstellung geht von einem Werk der Sammlung des Museums Barberini aus und vereint über 90, zum Teil noch nicht ausgestellte Werke aus internationalen Museums- und Privatsammlungen. Sie zeigt Richters Entwicklung von den schwarzweißen Fotobildern und Farbtafeln über die Ausschnitte, die Grauen Bilder und Vermalungen bis zu den Abstrakten Bildern, wie Richter von den späten 1970er Jahren an seine Gemälde mit ihren Pinsel-, Rakel- und Spachtelspuren im Farbauftrag häufig betitelte.

Die Abstraktion ist ein roter Faden durch Richters Malerei, konsequent entwickelt sich sein Werk als stetige Fortführung und Wandlung der Abstraktion. Er nimmt die bewusste Steuerung des Malprozesses durch kalkuliertes Einbeziehen des Zufalls zurück. Das Schöpferische tritt hinter Rasterstrukturen zurück oder er zieht mit der Rakel über die gesamte Bildfläche.

Konrad Beikircher

Autor, Musiker und Kabarettist aus Bonn; Westwind-Ehrenmitglied!

Wir Rheinländer haben Berlin gegründet. Jetzt wird es Zeit, es zum Leben zu erwecken, denn: ohne Wind ussem Westen lööf in Berlin gar nix!